Interview mit CarbonFreed-Gründer Marko Ibsch zur Umsetzung der NELEV Novelle und Änderung der Leistungsgrenze für die Anlagenzertifizierung

„Wir haben CarbonFreed als Partner fest eingeplant“

„Wir haben CarbonFreed als Partner fest eingeplant“

Vor etwas mehr als einem Jahr haben der Solar-Lösungsanbieter ENVIRIA und CarbonFreed die Umsetzung eines ersten Pilotprojekts im Bereich des Netzanschlussverfahrens angekündigt. Mittlerweile haben die beiden Unternehmen schon mehr als 70 Solaranlagen gemeinsam bearbeitet. Im Interview sprechen Matthias Lingg (Head of Engineering) und Laura Krech (Project Manager Grid Connection) von ENVIRIA über die aktuelle Entwicklung des Unternehmens, die Zusammenarbeit mit CarbonFreed und die Nutzung der Plattform gridcert.

Wie hat sich ENVIRIA in den vergangenen Jahren entwickelt? 

Matthias: Wir sind sehr stark gewachsen – was die Zahl der Mitarbeiter angeht und die Leistung der Solaranlagen, die wir installiert haben. Wir konzentrieren uns auf B2B-Projekte und setzen zunehmend auch große Anlagen mit einer Leistung von mehreren Megawattpeak (MWp) um. Seit der Gründung 2017 haben wir bereits über 500 kommerzielle Projekte umgesetzt.

Habt Ihr eigene Teams, die deutschlandweit die Anlagen verbauen oder arbeitet ihr vor Ort mit regionalen Installationspartnern zusammen? 

Laura: In der Regel werden die Anlagen von unseren eigenen Teams installiert. Mit regionalen Installateuren arbeiten wir nur zusammen, wenn diese bereits in das Projekt involviert sind und wir als zusätzliches Gewerk dazukommen. Wir decken als Unternehmen die gesamte Wertschöpfungskette ab – von der Finanzierung des Projekts, über die Projektplanung und Bauleitung bis hin zur Installation und zur Wartung. Dazu kümmern wir uns noch um das Bürokratische wie beispielsweise das Netzanschlussverfahren inklusive Zertifizierung. Das ist meine Hauptaufgabe bei ENVIRIA.

Matthias Lingg

Was ist aktuell das Hauptargument für Unternehmen, eine eigene Solaranlage zu nutzen? 

Matthias: Für Unternehmen hat eine eigene Solaranlage viele Vorteile. Das Hauptargument ist in der Regel, dass die Nutzung von selbst erzeugtem Solarstrom sofort die Energiekosten senkt und den Wert der Immobilie steigert. Darüber hinaus ist die Solaranlage in den Unternehmen häufig Teil der eigenen Nachhaltigkeitsstrategie und kommt bei deren Kunden gut an. Dazu kommt, dass der Gesetzgeber Unternehmen in einigen Bundesländern bereits dazu verpflichtet, dass sie auch eine Solaranlage installieren, wenn sie ein neues Gebäude bauen oder eine Parkplatzüberdachung umsetzen wollen.

Was sind aktuell die größten Schwierigkeiten, die Ihr bei der Planung und Umsetzung der Anlagen habt? 

Laura: Eines der Hauptprobleme bei gewerblichen Solaranlagen ist tatsächlich das Netzanschlussverfahren. Sowohl die Netzbetreiber als auch die Zertifizierungsstellen sind so stark überlastet, dass wir die Anlagen nicht so schnell ans Netz kriegen, wie wir es eigentlich möchten. Die Kommunikation mit den Zertifizierern ist ebenfalls ein großes Thema, gerade wenn es darum geht, technische Details abzuklären. Die Wartezeiten sind oft sehr lang, wodurch sich dann auch die Projekte zeitlich verzögern. Der Fachkräftemangel ist für uns ein weiteres Problem, dem die Netzbetreiber, Zertifizierer, wie auch wir begegnen.

Laura Krech

Und deshalb habt Ihr Euch für eine Zusammenarbeit mit CarbonFreed entschieden? 

Laura: Genau. Wir haben mittlerweile schon mehr als 70 Anlagen mit CarbonFreed bearbeitet und ich kann sagen, dass der Zertifizierungsprozess deutlich einfacher und schneller abläuft. Dazu kommt noch, dass wir über CarbonFreed auch Beratungsleistungen erhalten, wenn wir sie benötigen. Wenn beispielsweise im Rahmen der Zertifizierung rauskommt, dass eine geplante Komponente nicht zur Anlage passt, dann können wir das direkt in gridcert klären und eine passende Lösung finden.

Matthias: Die Zusammenarbeit mit CarbonFreed hilft uns aber auch beim Thema Fachkräftemangel. Über gridcert kann der Prozess relativ schnell auch von weniger erfahrenen Mitarbeitenden umgesetzt werden.

Welche weiteren Vorteile ergeben sich für Euch und die ENVIRIA-Kunden aus der Zusammenarbeit mit CarbonFreed? 

Laura: Die Nutzung von gridcert macht den gesamten Prozess deutlich übersichtlicher. Das hilft enorm – besonders, weil bei uns oft mehrere Zertifizierungsverfahren verschiedener Kunden parallel laufen. Das macht die Projekte für uns und für unsere Kunden besser planbar, weil wir immer wissen, wo wir aktuell stehen. Wir wissen genau, welche Unterlagen bei welchem Projekt vorliegen, was eventuell noch fehlt, welche Informationen wir noch von unseren Kunden anfordern müssen und wer gerade an was arbeitet. Und falls doch mal eine Frage auftaucht, klären wir das direkt in gridcert. Das ist schon eine große Hilfe und sorgt dafür, dass der gesamte Prozess effizienter ist.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung generell für Euch als Unternehmen? 

Matthias: Das Thema ist für uns als Unternehmen sehr wichtig. Wir wollen und müssen unsere Prozesse immer weiter digitalisieren, das erwarten auch unsere Kunden von einem Unternehmen wie ENVIRIA. Häufig sind die Tools, die wir benötigen, aber nicht als fertige Lösungen am Markt erhältlich. Deshalbhaben wir eine eigene IT-Abteilung, die Software selbst entwickelt und wenn möglich bereits bestehende Tools in das System integriert.

Welche Meilensteine wollt Ihr in den kommenden Jahren als ENVIRIA erreichen?

Matthias: Wir arbeiten aktuell ganz intensiv daran, die Bereiche Energiemanagement, Speicher und Ladeinfrastruktur möglichst effizient mit Solar zu verbinden. Das ist im Gewerbe in der Regel deutlich komplexer als in einem Einfamilienhaus, weil wir auf die vorhandene Gebäudeleittechnik Rücksicht nehmen müssen. Das Ziel ist es, dass immer so viel selbst erzeugte Sonnenenergie wie möglich im System genutzt wird, denn das lohnt sich für die Unternehmen nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht, sondern macht sie auch direkt grüner.

Laura: In diesem Jahr setzen wir unseren starken Wachstumskurs fort und bringen noch mehr Anlagen ans Netz. Der vorwiegende Teil davon wird in der Mittelspannung angeschlossen. Und auch im kommenden Jahr werden wir als Unternehmen weiter skalieren. CarbonFreed haben wir im Bereich des Netzanschlussverfahrens als Partner fest eingeplant.

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