Interview mit CarbonFreed-Gründer Marko Ibsch zur Umsetzung der NELEV Novelle und Änderung der Leistungsgrenze für die Anlagenzertifizierung

Gewerbespeicher: Strom sichern, Kosten senken

Gewerbespeicher: Strom sichern, Kosten senken

Im Zuge der Energiewende gewinnen Speicherlösungen zunehmend an Bedeutung, da sie Lastspitzen reduzieren und das Stromnetz stabilisieren. Für Unternehmen kann sich die Anschaffung lohnen – insbesondere in Kombination mit einer eigenen PV-Anlage.

Die Produktion läuft auf Hochtouren, die Wärmepumpe heizt und die E-Flotte tankt günstigen Solarstrom – obwohl die Sonne gerade nicht scheint. Möglich machen das moderne Batteriespeicher. Was lange Zeit als optionale Ergänzung zu Photovoltaikanlagen galt, hat sich inzwischen zu einem zentralen Baustein der Energiewende entwickelt.

Der Grund dafür liegt vor allem in den veränderten Rahmenbedingungen für Unternehmen. So steigt der Strombedarf durch die Elektrifizierung in Industrie und Gewerbe konsequent an, etwa durch elektrische Fahrzeugflotten, Wärmepumpen oder neue Produktionsanlagen. Gleichzeitig sorgt der Ausbau erneuerbarer Energien für volatile Preise an den Strombörsen. Hinzu kommen höhere Anforderungen an die Resilienz und Versorgungssicherheit.

Wie funktionieren Speichersysteme?

Vor diesem Hintergrund gewinnen Batteriespeicher als technische Lösung zunehmend an Bedeutung. Heute kommen überwiegend Lithium-Ionen-Systeme zum Einsatz, das sind wiederaufladbare Batterien, die elektrische Energie in chemischer Form speichern. Sie können Strom entweder aus dem Netz beziehen oder direkt aus Erzeugungsanlagen nehmen und zeitversetzt wieder abgeben.

Welche Speichergrößen gibt es?

Grundsätzlich werden drei Anlagengrößen unterschieden: Heim-, Gewerbe- und Großspeicher. Heimspeicher verfügen meist über eine Kapazität von 5 bis 20 Kilowattstunden (kWh) und dienen dazu, den Eigenverbrauch in Wohngebäuden zu optimieren. Gewerbespeicher liegen typischerweise bei 30 kWh bis 1 Megawattstunde (MWh) und erhöhen die Unabhängigkeit von Unternehmen.

Großspeicher ab etwa 1 MWh kommen vor allem im industriellen Maßstab sowie im Netzbetrieb zum Einsatz und übernehmen neben der Versorgung von Verbrauchern insbesondere Systemdienstleistungen wie die Lastverschiebung, Bereitstellung von Regelenergie und Stabilisierung des Stromnetzes.

Für wen lohnen sich Batteriespeicher?

Gewerbliche Batteriespeicher lohnen sich vor allem für energieintensive Unternehmen mit schwankendem Strombedarf – etwa Produktionsbetriebe, Logistikzentren oder Kühlhäuser. In diesen Betrieben treten regelmäßig hohe Lastspitzen auf, weil viele Verbraucher gleichzeitig laufen oder große Anlagen kurzfristig viel Leistung abrufen. Durch das gezielte Abfedern der Lastspitzen lassen sich die Kosten für Energie und Netzentgelte senken.

Besonders interessant werden Speicher in der Kombination mit Photovoltaikanlagen. So kann überschüssiger Solarstrom auch in den Abendstunden oder bei Produktionsspitzen genutzt werden. Insbesondere in Verbindung mit dynamischen Stromtarifen ergeben sich dadurch zunehmend wirtschaftliche Vorteile für Unternehmen. Bei Gewerbe- und Großspeichern eröffnen sich durch die sogenannte Stromarbitrage weitere Geschäftsmodelle. Der Begriff beschreibt vereinfacht gesagt das Ausnutzen von Preisunterschieden am Strommarkt. Das heißt, Energie wird zu günstigen Preisen gespeichert und zu Zeiten höherer Börsenpreise entweder selbst genutzt oder weiterverkauft.

Wie läuft die Zertifizierung?

Der Netzanschluss eines Batteriespeichers erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird beim zuständigen Netzbetreiber eine Anfrage mit der geplanten Leistung und Betriebsart gestellt. Anschließend legt der Netzbetreiber die technischen Anschlussbedingungen (TAB) fest. Nach der technischen Planung und Umsetzung folgt eine Inbetriebnahmeprüfung, bei der sichergestellt wird, dass das System allen Vorgaben entspricht.

Im Netzanschlussrecht werden Batteriespeicher ähnlich wie Erzeugungsanlagen behandelt. Ob eine Zertifizierung erforderlich ist, hängt vor allem von der installierten Leistung, der Anschluss-Netzebene sowie der Betriebsart ab. Entscheidend ist beispielsweise, ob ein Speicher nur Energie bezieht oder auch Strom ins Netz einspeisen kann. Sobald er mehr als 270 kW ins Netz einspeist, wird ein Anlagenzertifikat notwendig. Je nach Anlagengröße und Netzebene kann dieser Prozess mehrere Wochen bis Monate dauern. Digitale Plattformen wie gridcert können helfen, ihn zu vereinfachen und zu beschleunigen. 

Typische Anschlussregeln:

Niederspannung VDE-AR-N 4105
Mittelspannung VDE-AR-N 4110
Hochspannung VDE-AR-N 4120
Höchstspannung VDE-AR-N 4130

Für Großspeicher mit einer Einspeiseleistung von mehr als 270 kW oder einer Gesamtleistung von 500 bis 950 kW benötigen Installationsbetriebe oder Projektplaner ein Anlagenzertifikat Typ B nach der Norm VDE-AR-N 4110, sofern der Speicher an die Mittelspannung angeschlossen wird. Bei einem Anschluss an die Hochspannung kommt die Norm VDE-AR-N 4120 zum Einsatz. Übersteigt die Leistung 950 kW, fordert der Netzbetreiber das Anlagenzertifikat Typ A.

Wie geht der Speicherausbau in Deutschland voran?

In Deutschland sind laut Battery Charts der RWTH Aachen mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von mehr als 29 GWh installiert. Besonders in den vergangenen Jahren hat der Ausbau an Dynamik gewonnen. Allein im ersten Quartal 2026 wurden mehr als 2 GWh an neuer Speicherkapazität in Betrieb genommen – ein Rekordwert. Auch politisch wird die Rolle von Batteriespeichern zunehmend betont. Die Bundesnetzagentur diskutiert derzeit neue Anreizmodelle für ein flexibleres Energiemanagement, etwa variable Netzentgelte. Erste Regelungen könnten bereits in diesem Jahr umgesetzt werden.

 Wie sieht die Zukunft von Batteriespeichern aus?

Mit dem zunehmenden Ausbau der Wind- und Solarkraft treten immer häufiger Schwankungen zwischen der Stromerzeugung und dem Stromverbrauch auf. Zeiten mit hoher Einspeisung wechseln sich mit Phasen der geringen Verfügbarkeit ab. Das führt zu Netzengpässen, Preisschwankungen und in manchen Fällen auch zu negativen Strompreisen.

Batteriespeicher können die Unterschiede ausgleichen, indem sie überschüssige Energie aufnehmen und zeitversetzt bereitstellen. So stabilisieren sie das Stromnetz und erleichtern die Integration erneuerbarer Energien. Gleichzeitig gewinnen Speicher durch die fortschreitende Elektrifizierung von Industrie und Gewerbe sowie sinkende Technologiekosten weiter an Bedeutung. Fakt ist: Sie haben sich bereits zu einem zentralen Baustein eines flexiblen, dezentralen Energiesystems entwickelt.

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