Interview mit CarbonFreed-Gründer Marko Ibsch zur Umsetzung der NELEV Novelle und Änderung der Leistungsgrenze für die Anlagenzertifizierung

„Damals haben wir auf beiden Seiten festgestellt: So kriegen wir das nicht hin. Das System von CarbonFreed war eine echte Erlösung.“

„Damals haben wir auf beiden Seiten festgestellt: So kriegen wir das nicht hin. Das System von CarbonFreed war eine echte Erlösung.“

Emondo übernimmt als Generalunternehmer die Planung, Installation und Betreuung von PV-Anlagen, Stromspeichern und Ladeinfrastruktur. Im Interview spricht Gründer und Geschäftsführer Tobias Schmitt über aktuelle Branchenentwicklungen, die Zusammenarbeit mit CarbonFreed und mögliche Zukunftsperspektiven.

Erklär doch bitte mal: Was ist der Fokus von Emondo und welche Lösungen bietet ihr an?

Tobias Schmitt: Andreas Maier und ich haben Emondo 2017 in München gegründet. Wir entwickeln, planen und realisieren Photovoltaik-, Speicher- und Ladeinfrastrukturprojekte. Zuerst lag unser Fokus auf Privatkunden, doch das Geschäft entwickelte sich schnell weiter. Zwei Jahre nach der Gründung folgte unser Einstieg ins Gewerbe – über Mieterstromanlagen mit Speicherlösungen für Quartiere in München. Heute sind wir ein Generalunternehmen für gewerbliche PV-Projekte. Unser Schwesterunternehmen für Privatkunden heißt Sonnwärts.

Wie hat sich denn der Markt für PV-Anlagen in den vergangenen Jahren weiterentwickelt?

Tobias Schmitt: Der PV-Markt hat sich in den vergangenen zweieinhalb Jahren sehr dynamisch entwickelt. Durch die zurückliegenden Energiekrisen ist die Nachfrage nach erneuerbaren Energien stark gestiegen. Zusätzliche Kapazitäten aus China haben den Wettbewerb weiter intensiviert. Gleichzeitig ändern sich die politischen Rahmenbedingungen für die PV-Branche regelmäßig, weshalb wir unsere Prozesse kontinuierlich weiterentwickeln und dementsprechend anpassen.

Und welchen Einfluss hat die Politik, vor allem auch die neue Bundesregierung, konkret auf die Marktentwicklung?

Tobias Schmitt: Die Weichen für die Energiewende sind eigentlich richtig gestellt: Die Lösungen sind alle da. PV-Anlagen sind hoch wirtschaftlich, mit und ohne Speicher. Das Einzige, was mich wirklich stört: Es werden ständig neue Themen diskutiert, aktuell wieder die Einspeisevergütung. Das verunsichert Investoren, Endkunden und Installateure. Natürlich gab es die Hoffnung, dass die neue Regierung Maßnahmen einführt, um das Marktumfeld zu stabilisieren. Doch aktuell zeichnet sich immer mehr ab, dass es keine klare Linie gibt – und wenn, dann leider zugunsten fossiler Energieträger.

Die Weltwirtschaft ist aktuell sehr angespannt. Wie wirkt sich der Krieg im Nahen Osten konkret auf die Nachfrage bei euch aus?

Tobias Schmitt: Auf Privatkunden-Seite gibt es einen regelrechten Anfrage-Boom. Im Gewerbe stellt sich diese Entwicklung deutlich langsamer ein. Viele Unternehmen scheuen aktuell große Investitionen, weil die wirtschaftliche Situation relativ angespannt ist. Aber: Mit Blick auf die Entwicklung der Energiepreise dürfte sich das bald ändern. Heute zahlt man für eine PV-Anlage im gewerblichen Bereich vielleicht eine halbe Million, mit Speicher etwas mehr als eine Million Euro. Diese Anschaffung amortisiert sich allerdings auch schon nach circa drei bis fünf Jahren. Und dann erzeugt die Anlage mindestens 20 Jahre lang sauberen, günstigen Strom.

Nun eine praktische Frage: Wie ist die Zusammenarbeit zwischen Emondo und CarbonFreed entstanden?

Tobias Schmitt: Ich habe Marko (Ibsch, CarbonFreed-Gründer) kennengelernt, als er damals noch beim DNV arbeitete. Er hat unsere erste PV-Anlage zertifiziert. Damals haben wir auf beiden Seiten festgestellt: So kriegen wir das nicht hin. Wir wurden von einer regelrechten Dokumentationsflut erschlagen – von der Anlagenzertifizierung bis hin zur Konformitätserklärung. Marko meinte dann, dass wir unbedingt eine Plattform brauchen, um den Prozess zu digitalisieren – was er mit gridcert ja auch entwickelt hat. Wir waren somit quasi von der ersten Stunde an Kunde bei CarbonFreed. Und ich kann sagen: Das System war eine echte Erlösung.

Und wie genau hilft gridcert dabei, Zertifizierungsprozesse zu beschleunigen?

Tobias Schmitt: Mit gridcert gibt es eine klare Struktur: eine geordnete Dokumentenablage. Jeder kann sehen, ob Dokumente schon vorliegen oder nicht. Die vielen Rückschleifen mit Zertifizierern, die sich früher aus unvollständigen Unterlagen und Informationen ergeben haben, haben sich quasi erledigt. Das gibt es nicht mehr. So können wir Anlagen mit Zertifikat B heute beispielsweise schon in wenigen Wochen zertifizieren – das war früher undenkbar. Bei der Inbetriebsetzungserklärung ist der Dokumentationsaufwand noch höher und auch hier läuft inzwischen alles über gridcert. Für uns bedeutet das eine extreme Zeitersparnis – wir konnten den Zeitaufwand in etwa halbieren.

Wo seht ihr mit Blick auf die Zukunft noch Entwicklungspotenzial bei der Prozessoptimierung?

Tobias Schmitt: Wenn ich mir bei Marko noch eine Sache wünschen dürfte, dann wäre es, dass ich im Excel-Export auf einen Blick sehen kann, welche Unterlagen noch fehlen. Und: Eine App, über die Handwerker direkt Bilder hochladen können. Dadurch spart man sich den Zwischenschritt vom Installateur über das Büro. Trotz gridcert beschäftigen wir heute immer noch eine Person in Vollzeit für alle organisatorischen Themen rund um Zertifizierungen und Dokumentationen. Da gibt es sicherlich noch Verbesserungspotenzial. Aber: Es ist auch schon deutlich besser geworden. Wir sind insgesamt auf einem sehr guten Weg!

Und zum Schluss: Was denkst du, wohin wird sich der PV-Markt deiner Meinung nach entwickeln?

Tobias Schmitt: Die Themen Digitalisierung und Netzausbau rücken immer stärker in den Fokus. Aktuell setzen viele Unternehmen noch auf PV-Anlagen als einzelnes System und rüsten Batteriespeicher erst später nach. Meine Prognose ist, dass es mittelfristig keine Aufdach-PV-Anlagen mehr ohne Speicherlösung geben wird, die vorrangig für den Eigenverbrauch genutzt werden. Intelligente, digitale Systeme, bei denen Stromerzeugung und Stromverbrauch gut aufeinander abgestimmt sind – etwa in Kombination mit Speichern und Ladeinfrastruktur –, werden immer wichtiger, da sie zum Beispiel auch das Stromnetz entlasten. So entwickelt sich die PV-Anlage zunehmend vom einzelnen Stromerzeuger hin zu einem zentralen Baustein eines modernen Energiesystems.

Solar- und Speicheranlagen mit gridcert auf der Überholspur zertifizieren!

Ähnliche Blogartikel

„Damals haben wir auf beiden Seiten festgestellt: So kriegen wir das nicht hin. Das System von CarbonFreed war eine echte Erlösung.“
Emondo ist CarbonFreed-Kunde seit der ersten Stunde. Im Interview gibt Gründer Tobias Schmitt spannende Branchen-Insights und erzählt, warum die Zusammenarbeit mit CarbonFreed für ihn so wertvoll ist.
Deutschland spart Milliarden durch PV-Anlagen
Die deutsche Wirtschaft profitiert von PV-Anlagen – und zwar deutlich. Das zeigt eine aktuelle Auswertung vom BSW-Solar, die die Nutzung von PV-Strom dem Import fossiler Energie gegenüberstellt.
CarbonFreed entwickelt Lernplattform für die Anlagenzertifizierung Typ A und Typ B nach VDE-AR-N 4110
Auf der Fachmesse The smarter E/Intersolar 2026 stellt CarbonFreed die „CarbonFreed Academy“ vor – eine Lernplattform zur Anlagenzertifizierung Typ A und Typ B nach VDE-AR-N 4110.
Nach oben scrollen