„CarbonFreed hat sich zu einem der größten Player am Zertifizierungsmarkt entwickelt“
- Redaktion
- 4. Februar 2026
„CarbonFreed hat sich zu einem der größten Player am Zertifizierungsmarkt entwickelt“
Der Markt für gewerbliche Solaranlagen nimmt immer mehr zu und auch große Stromspeicher werden zunehmend ins deutsche Stromnetz integriert. Wie sich CarbonFreed in diesem Umfeld aktuell schlägt, was die Highlights im vergangenen Jahr waren und was sich das Unternehmen für 2026 vorgenommen hat, darüber spricht Gründer Marko Ibsch im Interview.
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Laut Bundesnetzagentur wurden in 2025 Solaranlagen mit einer Leistung von etwas mehr als 16 Gigawatt zugebaut. Besonders Freiflächenanlagen und große Gewerbeanlagen haben deutlich zugelegt. Wie hat sich CarbonFreed im aktuellen Marktumfeld behauptet?
Marko Ibsch: Wir haben im vergangenen Jahr den Absatz von Anlagenzertifikaten und damit auch den Umsatz von CarbonFreed deutlich steigern können. 2024 haben wir knapp 150 Anlagenzertifikate ausgeliefert, 2025 waren es bereits mehr als 280. Damit haben wir uns in wenigen Jahren zu einem der größten Player am deutschen Zertifizierungsmarkt entwickelt, worauf wir definitiv stolz sein können. Den Trend zu immer größeren Anlagen haben auch wir wahrgenommen. Die Zahl an Anlagenzertifikaten Typ A für Erzeugungsanlagen mit einer Anschlussleistung von mehr als 950 Kilowatt ist bei uns im Vergleich zu 2024 fast um das Vierfache gestiegen. Das ist schon ein deutliches Signal. Aber trotz der positiven Geschäftsentwicklung muss ich sagen, dass 2025 insgesamt kein ganz einfaches Jahr für CarbonFreed war.
Kannst du das etwas genauer erklären?
Marko Ibsch: Besonders im ersten Halbjahr 2025 hat man im Markt schon eine deutliche Verunsicherung gesehen. Viele Solar- und Speicherprojekte waren gefühlt erst Mal on hold. Niemand wusste ja so genau, ob die neue Bundesregierung die Rahmenbedingungen noch mal anpasst oder ob alles so bleibt, wie es ist. Als sich das langsam wieder einpendelte, hat in Q2 dann einer unserer wichtigsten Zertifizierungspartner relativ kurzfristig den Betrieb eingestellt, was bei uns schon zu einem enormen Stau bei der Ausgabe der Anlagenzertifikate geführt hat. Das haben wir dann im Sommer gelöst, indem wir uns bei den Zertifizierungsstellen noch mal deutlich breiter aufgestellt haben. Diese ganzen Themen zu lösen, war für das gesamte Team schon ein ziemlicher Kraftakt, aber mit Blick auf das Ergebnis hat es sich definitiv gelohnt.

Ihr arbeitet mittlerweile mit mehr als der Hälfte der aktuell 25 in Deutschland akkreditierten Zertifizierungsstellen zusammen.
Marko Ibsch: Wir haben zwischenzeitlich mit 14 Zertifizierungsstellen gearbeitet, um auf den Engpass Mitte 2025 zu reagieren. Jetzt haben wir die Zahl wieder etwas reduziert. Die Zertifizierungsstellen haben Prozesse, die sich von Organisation zu Organisation schon recht stark unterscheiden können. Für uns und unsere Kunden ist es einfach effizienter, wenn wir uns auf weniger Zertifizierungsstellen fokussieren – und dafür mehr Projekte gemeinsam abwickeln. Wir sammeln über unsere KI-Plattform gridcert die für den Netzanschluss notwendigen Daten auf digitalem Weg und analysieren darüber direkt, ob die Daten vollständig und konsistent sind. Wenn alles passt, kann das Projekt entsprechend von einer Zertifizierungsstelle geprüft und das Anlagenzertifikat ausgestellt werden. Das klappt aktuell bei Typ B in wenigen Wochen; Typ A dauert ein wenig länger, weil der Prozess hier dann doch noch mal etwas aufwändiger ist.
Du hast gerade schon gridcert angesprochen: Was waren denn die wichtigsten Weiterentwicklungen der Plattform in 2025?
Marko Ibsch: Die wichtigste Neuerung ist wahrscheinlich, dass unsere Kunden die Digital-Plattform jetzt zusätzlich zum Anlagenzertifikat auch für die Inbetriebsetzungserklärung verwenden können. Das macht natürlich besonders Sinn für die Betriebe, die bereits ein Anlagenzertifikat über CarbonFreed gebucht haben. Denn die spezifischen Projektinformationen sind ja ohnehin bereits in gridcert erfasst und die benötigen wir dann auch für die Inbetriebsetzungserklärung. Im Prinzip ergänzen wir den bestehenden Prozess einfach um die Inbetriebsetzungserklärung – und das kommt bei unseren Kunden schon sehr gut an. Wer das Anlagenzertifikat woanders ausgestellt bekommen hat, kann aber trotzdem für die Inbetriebsetzungserklärung zu CarbonFreed kommen. Unser digitaler Prozess ist einfach deutlich effizienter als der herkömmliche Weg.
Ein wichtiger Bestandteil der Inbetriebsetzungserklärung ist die Parametrierung der Erzeugungseinheiten wie Regler und Wechselrichter. Wie unterstützt ihr eure Kunden dabei?
Marko Ibsch: Wir bieten unseren Kunden seit 2025 einen Parametrierungs-Service an. Das bedeutet, sie erhalten von uns die spezifischen Einstellungen, die bei der Parametrierung der Wechselrichter und Regler eingetragen werden müssen. Diese Einstellungen sind bei der Vielzahl an Herstellern und Geräten häufig nicht so leicht zu finden – gerade für Installateure, die im Commercial-Bereich vielleicht noch nicht so viele Erfahrungen gesammelt haben. Aber auch für erfahrende Installateure ist das eine echte Erleichterung, denn sie haben weniger Aufwand und kein Risiko. Sie können die passenden Parameter direkt so einstellen, wie es notwendig ist, ohne dass sie sich das vorher mühsam raussuchen muss. Die richtige Einstellung der Parameter ist die Grundvoraussetzung dafür, dass die Anlagenbetreiber die Inbetriebsetzungserklärung überhaupt erhalten – und im Anschluss mit der Konformitätserklärung auch die unbefristete Betriebserlaubnis für die Anlage erfolgen kann.
Was waren aus deiner Sicht weitere Meilensteine im vergangenen Jahr?
Marko Ibsch: Der KI-Erstcheck ist aus meiner Sicht noch ein wichtiges Thema, was wir in 2025 vorangebracht haben. Wir haben die technologische Infrastruktur geschaffen, dass wir in gridcert automatisierte Echtzeit-Prüfungen der eingereichten Daten vornehmen können und haben dafür den ersten Piloten gestartet. Die ersten zehn Prozent der Prüfpunkte sind dort schon enthalten und die werden wir in diesem Jahr jetzt sukzessive erweitern. Aber technologisch haben wir das geknackt, eine automatisierte, voll skalierfähige Zertifizierungslösung zu bauen.
Was sind die Ziele, die ihr euch für 2026 gesteckt habt?
Marko Ibsch: Wir haben im vergangenen Jahr 90 Prozent Wachstum gegenüber 2024 hingelegt, was am Zertifizierungsmarkt absolut einzigartig ist und wollen auch in 2026 weiter wachsen. Wir haben mittlerweile den Beweis erbracht, dass wir mit unserem digitalen und damit skalierfähigen Ansatz auf das richtige Pferd setzen. Die Technologie funktioniert und wir liefern. Wir werden auch in diesem Jahr unsere KI-Plattform weiter ausbauen und immer wieder neue Features integrieren, die es unseren Kunden noch einfacher machen, mit gridcert zu arbeiten. Ich habe es eben schon mal kurz gesagt: Das Thema Echtzeit-Prüfung der eingereichten Daten wollen wir gerne so schnell wie möglich abschließen, weil das aus unserer Sicht ein absoluter Gamechanger ist. Was den Absatz von Zertifikaten oder gar unseren Umsatz betrifft, traue ich mir aber für 2026 aktuell keine Prognose zu. Dafür ist der Markt zu volatil, wie wir ja unter anderem an der Achterbahnfahrt im vergangenen Jahr gesehen haben.
Glaubst du denn, dass die Bundesregierung in 2026 endlich Weichen für mehr Digitalisierung im Netzanschlussverfahren stellt, was du schon lange forderst?
Marko Ibsch: Zumindest sehe ich dafür aktuell noch immer keine Anzeichen. Dabei gäbe es aus meiner Sicht noch so viel Potenzial, um den Prozess deutlich zu beschleunigen. Wir brauchen beispielsweise endlich einheitliche Standards über das gesamte deutsche Netzgebiet hinweg. Aktuell entscheidet jeder der mehr als 850 Netzbetreiber in Deutschland selbst, welche Anforderungen er für die Integration von EE-Erzeugungsanlagen in das Stromnetz stellt und welche Dokumente er sehen will. Das ist für Projektplaner und Installationsbetriebe immer wieder eine Herausforderung und verzögert das Verfahren deutlich. Wenn es uns dann noch gelingt, die Prozesse zwischen Netzbetreiber, Zertifizierungsstelle und Anlagenbetreiber zu verzahnen und zu digitalisieren, kriegen wir die Anlagen endlich so sicher und effizient ans Netz, wie wir es für eine erfolgreiche Energiewende auch benötigen.
Das Ziel muss doch im KI-Zeitalter ein vollständig digitales Netzanschlussverfahren sein.
Marko Ibsch: Natürlich und das wäre auch problemlos möglich. Bisher dürfen wir die Systeme aber in Anführungszeichen „nur“ für Prozesse im Hintergrund verwenden – wie wir es ja auch bei gridcert tun. Damit wir die vollen technologischen Möglichkeiten der KI wirklich nutzen können, muss der Gesetzgeber aber endlich die regulativen Rahmenbedingungen weiterentwickeln. Das würde dann perspektivisch auch digitale Prüfungen zulässig machen.
Wie würde das in der Praxis aussehen?
Marko Ibsch: Um aktuell Anlagenzertifikate für Solaranlagen und Speicher ausstellen zu können, muss sich eine Zertifizierungsstelle bei der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS akkreditieren lassen. Die neue Zertstelle durchläuft dafür ein umfangreiches Zulassungsverfahren, was auch grundsätzlich eine gute Sache ist. Wir müssten also die Möglichkeiten dafür schaffen, dass man anhand eines spezifischen Anforderungskatalogs eben auch einen Software-Code oder einen KI-Algorithmus einem Zulassungsverfahren unterziehen kann. Dann wäre es tatsächlich möglich, die hohe Zahl an Solaranlagen und Speichern quasi in Echtzeit sicher ins Netz zu integrieren. Dadurch würde die Energiewende in Deutschland ein riesiges Stück vorwärts kommen.
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